Ergotherapie im Bereich Psychiatrie

Die Psychiatrie ist für die Vorbeugung, Diagnostik und Behandlung seelischer Erkrankungen oder Störungen zuständig. Der Begriff „Psychiatrie“ setzt sich aus den griechischen Wörtern für „Seele“ und „Arzt“ zusammen. Die Psychiatrie war nicht immer eine eigenständige medizinische Disziplin, sondern wurde früher der Neurologie zugeordnet.

ErgotherapeutInnen arbeiten mit Menschen jeden Alters, die psychiatrische Erkrankungen aufweisen. In der Regel werden aus therapeutischer Sicht allerdings Kinder- und Jugendpsychiatrie und Erwachsenenpsychiatrie als zwei getrennte Bereiche mit unterschiedlichen Anforderungen gesehen.

Wann ist eine Ergotherapeutische Behandlung im Bereich Psychiatrie sinnvoll?

Die Ergotherapie wird verordnet bei…
  • organischem Psychosyndrom
  • Gedächtnisproblemen
  • Demenz
  • Depression
  • bipolarer Störung
  • Angst-, Panik- und Zwangsstörung
  • posttraumatischer Belastungsstörung
  • Burnout
  • körperbezogenen Störungen wie Magersucht oder Bulimie
  • Suchterkrankungen
  • Schizophrenie
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Intelligenzminderung
  • Entwicklungsstörung
  • ADS und ADHS
  • Autismus
  • Störungen der Geschlechtsidentität

Psychiatrische Diagnosen treten nicht immer isoliert, sondern oft in Kombination mit anderen Krankheitsbildern auf. Da in der Psychiatrie Menschen aller Altersgruppen betreut werden, sind neurologische, geriatrische oder auch pädiatrische Neben- bzw. Hauptdiagnosen möglich.

Wie gehen Ergotherapeuten vor?

Am Beginn der therapeutischen Intervention steht ein ausführliches Anamnesegespräch mit dem/der Betroffenen. Sollten die Informationen aus diesem Gespräch nicht ausreichend sein, kann eine ergänzende Fremdanamnese mit Angehörigen oder sonstigen Bezugspersonen stattfinden. Im Zuge des Anamnesegesprächs legen TherapeutIn und PatientIn gemeinsam ein oder mehrere alltagsrelevante Therapieziele fest.

Die Therapiesitzungen erfolgen je nach Diagnose und Therapieziel im Einzel- oder Gruppensetting. Jeder Therapieeinheit folgt in der Regel ein ausführliches Reflexionsgespräch, in dem die durchgeführten Aktivitäten sowie die emotionalen Reaktionen des/der PatientIn darauf nochmals besprochen werden. Die ergotherapeutische Intervention wird beendet, wenn das Therapieziel erreicht ist und/oder kein neues festgesetzt wird.

Welche Methoden kommen in der Ergotherapie zum Einsatz?

ErgotherapeutInnen wenden unterschiedliche Methoden an, um die Kompetenzen ihrer PatientInnen zu verbessern:

  • Training sozialer und emotionaler Faktoren wie Kommunikation, Krankheitsbewältigung oder Interaktion
  • Unterstützung in der Alltagsgestaltung und Tagesstrukturierung
  • Training alltagsrelevanter Tätigkeiten wie Selbstversorgung oder Körperpflege
  • Training sensomotorischer Fähigkeiten wie Wahrnehmung oder Belastbarkeit
  • Förderung kognitiver Fähigkeiten wie Gedächtnis, Orientierung, Handlungsplanung oder Problemlösung
  • berufliche Integration oder Reintegration
  • Beratung von Angehörigen und Bezugspersonen

Im psychiatrischen Fachbereich setzen ErgotherapeutInnen vermehrt handwerkliche und kreative Tätigkeiten ein, um die mit dem/der PatientIn vereinbarten Therapieziele zu erreichen.